Projekt CARETTA CARETTA

In einer weit ausladenden Bucht an der Südseite der ionischen Insel Zakynthos befindet sich eines der am meisten geschützten und wissenschaftlich erforschten Refugien der mediterranen Fauna. Der Zante Marine Nationalpark umfasst eine Fläche von 135 qm und zählt zum Habitat einer gefährdeten, marinen Tierart – der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta). Auch wenn ihr adultes Leben im offenen Meer nach wie vor ein Geheimnis bleibt - gesichert ist, dass die Bucht von Laganas mit ihren unzähligen kleineren Sandstränden, in venezianischer Zeit Anlaufstelle unzähliger Piraten und Handelsschiffe, seit jeher als Legeplatz von bis zu 2000 weiblichen Schildkröten gilt. Ein einzigartiger Ort. Von Juni bis Juni kommen die ausgewachsenen Reptilien in den Stunden nach Mitternacht aus dem Wasser, um ungestört ihre Eier zu legen – ein langwieriger und auch schwieriger Prozess. Sechs Wochen später, im August, wenn die sommerliche Hitze ihren Höhepunkt erreicht hat und der Sand in der Mittagszeit heiß wie eine Herdplatte wird, ist es für die Jungen soweit. Meist in den frühen Morgenstunden beginnt ihre gefährliche Odyssee ins Meer.

 

Während eines Zeitraumes von 5 Jahren hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, den einzig dokumentierten Lebensabschnitt der beeindruckenden Reptilien mit meiner Kamera zu beobachten und zu begleiten. Es ist mir gelungen, sowohl ihrem Weg an Land als auch dem Rückweg des Nachwuchses ins Wasser beizuwohnen. Ich hatte sogar das Glück, schwimmenden Schildkröten zu begegnen, die sich nahe der Küste innerhalb des Schutzgebietes im Meer aufhielten, um den Moment ihres Landganges zu erwarten.

 

Und nicht nur das. Die von der Europäischen Union geförderte Naturschutzorganisation ARCHELON betreut und überwacht in den Sommermonaten die ebenfalls von Strandurlaubern frequentierten Strände und protokolliert mithilfe zahlreicher Volunteers aus dem Ausland die Anzahl der Gelege und den Erfolg der Schlüpfung. Auch der helfende Einfluss des Menschen, und wie der Tourismus mit den naturschützenden Bestrebungen vereinbar ist – diese Recherchen und Beobachtungen haben ebenfalls einen großen Teil meines Projektes eingenommen. Um eine Spezies in ihrer Gesamtheit zu beschreiben, darf man sie nicht nur in ihrem Erscheinungsbild und in ihrem Verhalten, sondern auch in ihrem gegenwärtigen Kontext zum Menschen erfassen.

 

Als abschließender Höhepunkt meines Projektes wurde meine Arbeit in Form eines ausführlichen Artikels im österreichischen Wissenschaftsmagazin UNIVERSUM im Jahr 2016 veröffentlicht. Nachzulesen ist mein Bericht auch unter meiner Rubrik REPORTS.